Kenner der verschiedenen Genrebezeichnungen in der Musikwelt, wird wissen, dass „Big Band Jazz-Rock“ eine populäre Musikrichtung ist, deren Anfänge bis in die späten 1960er zurück reichen. Man denke an Bands wie Blood, Sweat and Tears und Chicago, wobei dies bei weitem nicht die einzigen Vertreter dieser Stilrichtung waren. Ebenfalls dem Big Band Jazz-Rock zuzuordnen sind auch die Bands Archie Whitewater und The Ides of March. Bedauerlicherweise wohl am wenigsten bekannt und heute fast vergessen ist jedoch die aus Montreal stammende Band Illustration. Wenngleich viele Bands heute aus verschiedenen Gründen zu Recht in Vergessenheit geraten sind, so hat Illustration dieses Schicksal mit Sicherheit nicht verdient. Illustration war eine exzellente Gruppe von in jeder Beziehung herausragender musikalischer Qualität, die sich jedoch auf Grund von Defiziten des Managements bereits nach nur einem offiziell veröffentlichten Album aufgelöst hat.
 
Gegründet 1968 im Fontaine Bleu in St. Jean, Quebec, war Illustration im Wesentlichen der Zusammenschluss von zwei unabhängigen Bands, die zu der Zeit im Bereich Ontario und Quebec spielten: The Phoenix of Ayre´s Cliff und The Jades

The Phoenix of Ayre´s Cliff nahmen ihren Anfang als The Dynamics, einer vom Gitarristen Jimmy Mann gegründeten Gruppe. Mitte der 1960er formierten sich The Dynamics mehrfach neu, beginnend mit dem Weggang und der anschließenden Rückkehr von Jimmy Mann. Chan Romero – bekannt geworden mit seinem Song „Hippy Hippy Shake“ –, der den vorübergehend ausgeschiedenen Jimmy Mann ersetzt hatte, verließ die Band schließlich wieder, als sich die Band gerade in Quebec aufhielt. Die Band etablierte sich schließlich unter dem Namen The Phoenix of Ayre´s Cliff und bestand in dieser Form aus Hans Stamer (Vocals), Bob Deutscher (Gitarre), Norman Burgess (Saxofon), Kenny Brabant (Schlagzeug), Ken Folk (Bass) und Richard Terry (Orgel). 

The Jades starteten in den frühen 1960ern zunächst als The Flaming Stars, geleitet vom Schlagzeuger Don Carpentier. Die Band spielte über neun Jahre in Quebec und Ontario in so angesehenen Orten wie der Esquire Show Bar in Montreal. Liedsänger der Band war Billy Ledster, an der Gitarre Rene Hamelin und an der Orgel Johnny Ranger. 

In den späten 1960ern begannen die Mitglieder beider Bands, sich anderen Projekten zuzuwenden. Richard Terry und Norman Burgess versuchten, eine größere R&B Gruppe aufzubauen, um damit in die USA zu gehen. Als die beiden 1968 den Organisten Johnny Ranger und den Sänger Billy Ledster von den The Jades trafen, die gerade im Fontaine Bleu in St. Jean, Quebec, spielten, einigte man sich spontan, gemeinsam eine neue Gruppe zu gründen: The Sound Syndicate. Johnny Ranger übernahm die Orgel und Richard Terry wechselte zum Bass. Die Mitgliederzahl der neu gegründeten Band wuchs schnell mit Claude Roy (vormals The Jades) am Schlagzeug, Benoit Perreault und Paul Perkins an der Trompete, Garry Beattie an der Gitarre und Gerry Labelle am Saxofon. Don Seat aus Boston, MA, managte die Band, die in der Folge regelmäßig im Fontainebleau spielte. Schließlich kam auch noch Leo Harinen als Ersatz für den ausgeschiedenen Paul Perkins dazu.  

The Sound Syndicate hatte sich zu einer neunköpfigen Band entwickelt und wuchs weiter. Während eines gemeinsamen Auftritts im Lucifer´s in Boston, Massachusetts, im Jahre 1969 stieß am Ende des Abends Roger Homefield als weiteres Mitglied zur Band. Die Band spielte in verschiedenen Clubs an der Ostküste der USA, u.a. im Seaside Heights, New Jersey, als sich Gerry Labelle entschied, die Band zu verlassen, um einer Arbeit in Chicago nachzugehen. Auf der Such nach einem neuen Saxofonisten, konnte die Band schließlich Donald Sanders gewinnen. Sander`s Frau, Scherri Saint James, kam als zusätzliche Singstimme dazu. 

Als der Manager Barry Wolfe die nun elf Mitglieder zählenden The Sound Syndicate hörte, stellte er sie dem Produzenten Alan Lorber vor. Alan Lorber war beeindruckt von dem, was er hörte, und schloss für die Band einen einjährigen Plattenvertrag mit Janus Records ab. Ende 1969 begann die Band mit den Aufnahmen für ihr Debut-Album in den A&R Studios in New York. Begierig, ihre Musik live zu performen, setzten sie jedoch auch ihre Auftritte an der Ostküste weiter fort. In der Folge änderte sich dann auch noch einmal die Besetzung der Band: Glenn Higgins stieß als Ersatz für Donald Sanders zur Band, der die Band wegen eines anderen Projektes Richtung Nashville verlassen hatte. In Miami kam Billy Shiell als dritte Trompete hinzu. Vor Veröffentlichung ihres Debut-Albums schlug Lorber vor, der Band einen anderen Namen zu geben und im Blue Room in St. Petersburg, Florida – später bekannt unter dem Namen Stock Market Club – einigte man sich auf: Illustration

In dieser Zeit teilte sich die Band die Bühnen mit einigen angesehenen Künstlern. So traten Illustration etwa im Newport Hotel in Miami Florida als Support Band zu Ike und Tina Turner auf und spielten später mit Joe Cocker, Rod Stewart, Miles Davis, H.P. Riot und Funkadelik. Auch die Musikkritiker waren angetan und so gab es etwa eine sehr positive Bewertungen in der Juni Ausgabe des Rolling Stone Magazine im Jahre 1970 und ähnlich positiven Kritiken von John Wilson, einem Jazz Kritiker der New York Times, Dave Bist, einem Musk Kollumnist der Montreal Gazette, und Dennis Washburn, einem Musik Kollumnist der Bermingham News. Auch die erste Single der Band „Our Love´s a Chain“ behauptete sich beachtlich in den kanadischen Radio Charts mit Platz 12 der Hit Parade. 

Ende 1971 setzte sich jedoch bei vielen Bandmitgliedern mehr und mehr Unzufriedenheit mit dem als mangelhaft empfundenen Management von Barry Wolfe durch. Obwohl man genug Material für ein weiteres Album hatte und zudem ein Angebot von Warner Bros. Records auf dem Tisch lag, begann der Stern der Band zu sinken. Während Auftritten in Montreal, Quebec, machte man Illustrations das Angebot, einige Songs für einen von Jean Zaloum produzierten französisch-kanadischen Film mit dem Titel „Après Ski“ aufzunehmen. Fünf Titel wurden in den RCA Victor Studios in Montreal aufgenommen und anschließend auf dem Soundtrack des Films veröffentlicht. Laut Johnny Ranger war es gelungen, die Aufnahmen ohne Overdubbing und in sehr kurzer Zeit von nur wenigen Stunden fertigzustellen. Die Band wurde jedoch auf Grund rechtlicher Bedenken weder im Abspann des Films noch auf dem Soundtrack erwähnt. Kurze Zeit später löste sich die Band auf.
 
Nach Illustrations Auflösung gingen die Bandmitglieder eigene Wege. Einige von ihnen tourten mit der Produktion Jesus Christ Superstar. Andere, wie etwa Roger Homefield, setzten ihre Karriere mit bekannten Musikern wie Stan Kenton, Buddy Rich, Maynard Ferguson und Bands wie Miamy Sound Machine fort. Einige der ehemaligen Illustration-Mitglieder taten sich später noch einmal in anderen Bands zusammen. Zu diesen Projekten zählten etwa Fox, The Michel Comeau Blues Band und Man Made. Unter diesen Bands konnte Man Made einigen kommerziellen Erfolg erzielen. Die Band war kleiner als Illustration und hatte einen völlig neuen Sound. Sie begegneten Gilles Talbot und dem Produzenten Andre Perry und nahmen ein namengebendes Album unter dem Good Noise Label auf, das 1972 veröffentlicht wurde. Man Made setzten ihre Auftritte in Montreal mit anderen Musikern fort. Hierzu gehörten u.a. Jerry Mercer von April Wine, Rene Hamelin, Bob Baines und Gerry Labelle. 1977 nahmen Mitglieder von Man Made anonym eine Disco-Single mit dem Titel „Dracula Disco“ für den Songwriter Gerry Bribosia auf. Die Band brachte es jedoch nie zu einem zweiten eigenen Album und löste sich schließlich Ende der 1970er auf. 

Es ist bedauerlich, dass Illustration keinen Fortbestand hatte. Ihre Musik war ausgereift und ihre musikalische Handwerkskunst herausragend. Die Band spielte mit einer einheitlichen musikalischen Seele, die ihr einen ureigenen und unverwechselbaren Klang verlieh. Keine andere Band konnte je die Kraft der „sechs Hörner“ Passagen von Illustration erreichen. Natürlich ist musikalisches Talent kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wenn dem so wäre, wäre Illustration heute weithin bekannt. Tatsächlich ist die Band heute jedoch so gut wie vergessen und nur wenige erinnern sich an ihre Musik. So wurde im Jahre 2012 der Soundtrack zu dem Film „Après Ski“ remastered und unter dem Pluton Label in Quebec, wo diese Musik schon immer als eine Art Kult-Klassiker angesehen wurde, neu veröffentlicht. Viele der ehemaligen Illustration Mitglieder sind heute nach wie vor im Bereich Musik aktiv. Und trotz der nur kurzen Schaffensdauer von Illustration ist ihre Musik heute genauso beeindruckend wie damals. 

Es ist zu hoffen, dass mit Hilfe dieser Website mehr Menschen ihre Musik entdecken.